Vor etwa einem halben Jahr habe ich mir einen lange gehegten Lebenstraum erfüllt: ich bin in eine alte Mühle mitten im Wald gezogen. In meinem Garten fließt ein Bach, in dem Reiher, Enten und sogar eine Nutria leben. In den Bäumen tummeln sich Vögel aller Arten, Rehe und Füchse kommen mich hin und wieder besuchen, und viele wilde Pflanzen, Blumen und Kräuter wachsen auf der Wiese vor meinem Haus.

Aber vor allen Dingen gibt es hier eines: Stille. Absolute Stille. Bis auf das Rauschen des Bachs und das Zwitschern der Vögel höre ich meistens: Nichts. Diese Stille, verbunden mit den Wesen der Natur, ist absoluter Balsam für meine Seele und beflügelt meine spirituelle sowie kreative Arbeit.

Und obgleich mein neues Domizil so abgeschieden ist, fühle ich mich nicht einsam. Ich verspüre eine große Verbundenheit mit der Natur und allem, was ist. Diese Verbundenheit kann ich in der Stille sogar besser erfahren als in der ‚Zivilisation‘. Ich bin mir sicher, dass meine langjährige Meditationspraxis sowie innere Arbeit dazu beigetragen haben, dass ich die Stille und das All-Ein-Sein nicht nur aushalten kann, sondern wirklich liebe.

Der Mystiker Johannes vom Kreuz spricht mir mit diesem Auszug seines Gedichts ‚Der Geistliche Gesang‘ aus dem Herzen:

„Mein Geliebter: die Gebirge,
die einsamen, waldigen Täler,
die wundersamen Inseln,
die rauschenden Flüsse,
das Flüstern der liebkosenden Winde,
die ruhige Nacht
kurz vor dem Aufgang der Morgenröte,
die Musik der Stille,
Einsamkeit voll Klänge,
das Abendmahl, das erfrischt und verliebt macht.“

(aus Johannes vom Kreuz: Der Geistliche Gesang. Herder Spektrum)